Tanz-Paar

Neulich war ich mal wieder auf ’ner Hochzeit. Der DJ hat gespielt, was DJs auf Hochzeiten so spielen. Gassenhauer und Crowdpleaser, Stücke bei denen alle mitsingen können und wissen, wie sie sich zu bewegen haben. Ist absolut ok, es geht ja nicht darum das Set des Jahrhunderts aufzulegen, sondern möglichst viele Gäste zum Tanzen zu bringen.Dabei ist mir aufgefallen, dass viele solcher „Ich spiele was ihr wollt“-DJs bestimmte Paare von Stücken immer nacheinander spielen. Vielleicht gibt es ja ein Nachschlagewerk, in dem die Tracks verzeichnet sind, die besonders gut zueinander passen.

Hier ein paar markante Beispiele für Stücke, die erstaunlich oft nacheinander gespielt werden:

“I will survive” von Gloria Gaynor gefolgt von „It’s raining Men” von den Weather Girls

Na wer strömt denn zu diesen Stücken sofort in Scharen auf die Tanzfläche? Richtig, die Mädels. Und zwar meist so, als ob sie den Männern sagen wollen „Platz da, das ist unser Lied.“
Bei “I will survive” kommen sie, um die eigene Unabhängigkeit und Stärke auszudrücken „Mir geht’s auch ohne Kerl gut!“. Bei “It’s raining Men”, um die emanzipierte Frau durchscheinen zu lassen, die nicht wartet, bis sie angebaggert wird, sondern selbst die Initiative ergreift.
Führt bei vielen Männern zu Verunsicherung oder Genervtheit. Ich hau da auch lieber ab, außer ich bin schon zu betrunken.

“Groovejet” von Spiller gefolgt von „Lady“ von Modjo

Die beiden Stücke waren im Jahr 2000 ganz groß und versetzen heute noch viele Tänzer in Verzückung. Groovejet war dann ab Herbst das ältere Stück, das schon alle kannten, auf das sie aber trotzdem noch gerne tanzten, „Lady“ hat dann noch einen draufgesetzt, weil nicht so monoton und funkier. Natürlich passen die Stücke vom Beat her gut zueinander, sodass auch der mixtechnisch unbegabteste DJ einen einigermaßen gelungenen Übergang hinbekommt.

“Ain’t Nobody” von Chaka Khan gefolgt von “Last Night a DJ saved my Life” von Indeep Da leben die 80er wieder auf und zwar mit Seele und Funken. Sag noch einer damals gab es nur unterkühlte Synthiesounds á la New Order oder Soft Cell. Das eher schmachtige “Ain’t Nobody” zieht immer Frauen auf die Tanzfläche, ist also eine sichere Bank, wenn der Laden nicht so richtig in Schwung kommt. “Last Night a DJ saved my Life” mit seiner funky Gitarre der pumpenden Bassline und der unterkühlten Männer-Stimme räumt lässt dann die verbliebenen Männer aufatmen, denn dazu kann man sich auch wieder etwas lässiger bewegen. “Dub be good to me” von Beats International gefolgt von “(No, No No) You don’t love me” von Dawn Penn

Hier ist es natürlich der deepe Reggaegroove, der die beiden Stücke verbindet – Popowackeln garantiert. Hinter Beats International steckte übrigens Norman Cook, der alte Tausendsassa. Aka Ex-Bassist der Housemartins, aka „Mighty Dubkatz“, aka „Freakpower in Dub“ und natürlich aka „Fatboy Slim“. Das andere Stück ist ein klasssiches „One Hit Wonder“, Dawn Penn hatte nie wieder einen vergleichbaren Erfolg. Das Stück ist sexy wie nichts Gutes und eine Abwechslung zu dem auf Hochzeiten ebenfalls unvermeidlichen „Could you be loved“ von Bob Marley. „Groove is in the Heart“ von Deelite gefolgt von „Cantaloop (Flip Fanstasia)“ von US3

Das erste Stück ist Latin-beeinflusst und leicht abgedreht, das zweite verwandelt Herbie Hancocks Jazz-Klassiker „Cantaloupe Island“ in einen extrem tanzbaren Feger. Leider sind beide Tracks so abgenudelt, dass man sie fast schon nicht mehr hören kann. Ausser, wenn man betrunken auf einer Hochzeit ist natürlich.Nach der Trennung von Deelite haben Dimitri from Paris und Towa Tei übrigens erfolgreiche Solokarieren als House-DJ und –Producer, bzw. Lounge-Musik Produzent gestartet. Hatten wohl keine Lust mehr, nur noch auf Hochzeiten gespielt zu werden.„Sex Machine“ von James Brown gefolgt von „Kiss“ von Prince

Die Tanzfläche kocht eh schon? Die Menge verlangt nach mehr, will richtig gefordert werden? Bitteschön, volle Breitseite von Papa Brown. Wer danach nicht schwitzt ist entweder taub oder tot. Natürlich ist auch „Kiss“ ein Griff in die Funk-Schublade, aber gegen das gnadenlos treibende „Sex Machine“ kommt das Meisterstück von Prince regelrecht chillig und entspannend daher. Diese Stücke stumpfen übrigens nicht ab.

Über weitere Tanz-Paare, oder Anekdoten zu „Ich spiele was ihr wollt“-DJs freue ich mich. Also postet was, die nächste Hochzeit kommt bestimmt.

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